Bank of England - Notruf für den Kapitalismus
bankhdem mir jemand, der hier unter dem Namen The Government postet,
wiederholtermaßen vorwirft, dass ich in dem Artikel jeden Beweis
schuldig bleiben würde, dass der eigentliche Druck zur harten
Linie gegen die Mai-Demonstranten von der Wirtschaft kommt, möchte
ich hier noch einige Details ergänzen.
In dem Artikel im Guardian, in dem die Rede davon ist, dass
führende Polizeibeamte der City Polizei ihre Jobs verlieren
würden, falls es zu ähnlichen chaotischen Szenen wie im Juni
1999 kommt, wird neben Innenminister Jack Straw auch Eddie George
zitiert, Direktor der Bank of England, zwar nicht wortwörtlich
aber folgendermaßen:
“At the apex of the City establishment, the Bank of England said
it was still waiting for a firm line from the police”
was soviel heisst wie dass der Direktor der Staatsbank nicht nur in
dieser Eigenschaft spricht sondern als Führsprecher der
“City”, des Finanzdistrikts mit Börse, internationalen
Großbanken, etc. Dass die City einen gewaltigen Einfluss auf die
Politik hat, ist keineswegs eine Verschwörungstheorie, sondern
ganz normale Praxis, wobei es eine Vielzahl und-bank-sorgt-sich-senden-aktienunten/”>etablierter, formeller und
informeller Kommunikationskanäle gibt. Ich sage nun nicht, dass
die City die Politik “diktiert”, aber es ist ganz klar, dass
den Politikern daran gelegen ist, ein wirtschaftsfreundliches
Environment zu schaffen. Das hat nun wiederum gar nichts mit
Protektionismus zu tun, was ich nur erwähne, weil auch dieser
Begriff gefallen ist. Das Wort Standortpolitik sollte hierfür
ausreichen.
Eine weitere Unklarheit betrifft die Body-Shop-Besitzerin Anita
Roddick. Ihre Unterstützung der Ruckus-Society ist keineswegs
Beweis dafür, dass es der Wirtschaft an Randale gelegen wäre.
Frau Roddick ist nun sicher keine Anti-Kapitalistin, sondern als
Unternehmerin eine jener philantropisch gesinnten
Ausnahmepersönlichkeiten, die bei all ihrem wirtschaftlichen
Erfolg öffentlich immer wieder für “die gute Sache”
eintritt, z.B. für Dritte-WElt-Schuldenerlass, gegen Tierversuche,
für Emanzipation etc. und das auch mit dem eigenen Geldbeutel
unterstützt. Inwiefern dieses Engagement rein altruistisch ist
oder Teil einer komplexeren Gesamtstrategie wäre zu diskutieren.
Last not Least Livingstone: Es mag sein, dass die Klammer am Ende des
Textes zu weit gefasst ist, aber ich kann nur auf den von ihm selbst
verfassten Artikel verweisen. Und darin spricht er explizit vom Schaden
für den Tourismus, den er befürchtet, das braucht man ihm
nicht in den Mund zu legen.
Im übrigen glaube ich, dass es völlig verfehlt ist zu
befürchten, England würde sich diktatorischen Zuständen
nähern. Es gibt zwar stark autoritäre Züge in der
New-Labour-Regierung, aber die “Zivilgesellschaft” - und
immerhin kommt der Begriff ja von hier - hat eine ziemlich gesunde
breite Basis und niemand, weder “die Politiker”, noch die
“City” noch irgendwer sonst kann die Umstände soweit
manipulieren, dass alle nach einer Pfeife tanzen würden. Falls in
dem Artikel etwas zu kurz gekommen ist, dann nur deshalb, weil er nicht
zu lang werden sollte. Die englische Politik ist ähnlich aber doch
wieder sehr verschieden von der deutschen. Wollte man das alles
hinreichend und für jedermann verständlich erklären,
müsste man beim kleinen Einmaleins des Thatcherismus beginnen,
beim Bergarbeiterstreik und der Zerschlagung der britischen
Produktionsindustrie, einen genaueren Blick darauf werfen, welche
Allianzen New Labour eingegangen ist, bevor sie 1997 an die Macht kamen
und sich eingehend damit befassen, was seither geschehen ist, etwa in
Form neuer Gesetze wie dem Terrorism Act 2000, und man sollte May Day
Monopoly auch im Kontext des Nordirland-Konflikts sowie des
eskalierenden Kampfes radikaler Tierschützer gegen bestimmte
Bereiche der pharmazeutischen Industrie sehen, wo im wahrsten Sinne des
Wortes der Hund begraben liegt, das alles aber würde Bücher
füllen, die sicherlich von irgendjemand anderem gerade geschrieben
werden.
Mit freundlichen Grüssen
Armin Medosch