Re: Kerngeschäft ausgelagert… - Deutsche Bank lagert IT an IBM aus
bankm, die Deutsche Bank beschäftigt eine der größten
> Entwicklungsabteilungen in einem Nicht-IT-Betrieb (damit meine ich
> jetzt Software-Hersteller).
… so wie andere grosse Unternehmen, zB Versicherungen. Ab einer
gewissen Grösse macht das durchaus Sinn.
> Ich denke, dass sie hier mit Outsourcing ordentlich (an Leuten)
> sparen können…
… solche “Kostenvorteile” können durch zusätzlichen
Kommunikationsaufwand und andere zusätzliche Kosten sehr schnell
wieder zunichte gemacht werden. Und IBM ist nicht gerade für seine
niedrigen Stundensätze (oder Pauschalangebote) bekannt.
> Ein weiteres Kriterium wird wohl die in Banken sehr verbreitete
> _sehr_ veraltete IT-Landschaft sein, Hosts ohne Ende,
… auch Mainframes werden weiterentwickelt, _veraltet_ erscheint es
nur für Aussenstehende.
> z.T. noch
> Assembler-Programme (bitte jetzt keine Grundsatzdiskussionen über
> Hosts und gute Programmiersprachen ;).
… abgesehen davon, dass man inzwischen auch Java und andere
Sprachen für die “Hosts” bekommt, konnte man auch in Assembler, PL/I
oder Cobol entsprechende Programme schreiben. Zugegeben, manche Dinge
sind in den neueren Programmiersprachen sicher eleganter gelöst -
wäre schlimm, wenn die Entwickler solcher Systeme nichts dazulernen
würden - aber _gute_ Programmiersprachen gab’ es zu allen Zeiten …
> Das treibt die
> Produktentwicklungszeit auf z.T. über 12 Monate rauf, das heisst,
> eine Bank kann frühestens ein Jahr, nachdem sie den Bedarf auf dem
> Markt entdeckt hat, mit entsprechenden Produkten reagieren…
… das ist eine Behauptung, die ich so nicht stehen lassen kann.
Entwicklungszeiten sind im Regelfall nur selten von der verwendeten
Programmiersprache abhängig, da spielen eine Vielzahl anderer
Faktoren mit, die zB organisatorischer Natur sind.
> Solche Strukturen schaffen Abhängigkeiten, am meisten von ein oder
> zwei langgedienten Softwareentwicklern.
… gerade in solchen Unternehmen gibt es nicht 1-2 langgediente
Entwickler, die den Gesamtüberblick haben, zumindest nicht in der
Bank, für die ich gearbeitet habe.
> Für die ist es ja ganz nett,
> unentbehrlich zu sein, aber für das Unternehmen ist das eine
> Katastrophe. Mit einem externen Dienstleister schafft man sich die
> Abhängigkeit von einem Unternehmen, das bringt einfach mehr
> Sicherheit…
… zum Teil. Das Problem ist, dass es dort auch wiederum
Spezialisten gibt, an denen dann alles hängen kann, und wenn die das
Unternehmen (nämlich IBM) verlassen, wurde das Problem nur verlagert.
Gerade bei langfristigen Projekten (und das scheint mir ein
RZ-Betrieb einer Bank zu sein), wird man versuchen, das Personal an
sich zu binden, da eine hohe Fluktuation mehr schadet als etwaige
Kostenvorteile durch niedrigere Personalkosten.
> Als Kerngeschäft bei Banken kann man eher den Aufbau und die Pflege
> der Kunden sehen, als die Abwicklung. Die ist zwar notwendig (auch
> für den Aufbau und die Pflege der Kunden, ich weiss ;),
… ohne Abwicklung wär’ die Bank tot. Ein Stillstand von wenigen
Stunden oder gar Tagen wäre tödlich. Warum wohl wurde die Y2K und
Euro-Umstellung so generalstabmässig geplant?
> aber für die
> Bank eher sekundär, da die IT vielerorts noch nicht als Kernkompetenz
> angesehen wird, meiner Meinung nach ein Fehler, aber trotzdem gängig.
> Das hängt wahrscheinlich sehr start vom Altersdurchschnitt der
> Entscheider ab
… oder von einigen Zahlen, die am Papier halt schön aussehen, in
der Realität aber dann leider nicht halten. Bean-Counter Denken, wenn
man mich fragt.
> Auf einen großen Hersteller und Dienstleister mit Erfahrung zu setzen
> ist zwar löblich, aber ob sie mit IBM den richtigen haben sei mal so
> dahingestellt.
… nobody got ever fired for choosing IBM …
…
> Sicher ist, dass die Banken, vor allem die großen, auf
> dem IT-Sektor etwas tun müssen. Ob Outsourcing im breiten Stil oder
> die Verwendung von Standard-Software mit Competence-Centern im
> eigenen Haus die bessere Methode ist, wird sich zeigen…
… man darf gespannt sein. Gut, dass ich kein DB-Kunde bin.
…
cd